(I)
Die Welt bietet viele schöne Momente. Sie zu erkennen, diese Schönheit zu erleben und zu erfahren, ist eine Zier. Macht man die Augen weit auf, so sind es die kleinen Momente, das Alltägliche, die dem Augenblick etwas Besonderes verleihen. Am Zaun zu stehen und zu beobachten, wie die Kinder auf dem Spielplatz toben. Sie haben ihren Spaß daran, das Klettergerüst bis zum höchsten Punkt zu erklimmen. Ihre Gesichter erstrahlen vor Freude, wenn sie die Rutsche hinuntergleiten und sich schnurstracks zum anderen Ende begeben, den Steg wieder hinaufklettern, um die Bewegung noch einmal erleben.

Es ist ein ruhiger Moment, wenn zwei Erwachsene vor dem Café sitzen, die Tasse Kaffee in der Hand und mit geschlossenen Augen die ersten Sonnenstrahlen genießen. Still sitzen sie da, sagen nichts und beobachten mit Bedacht, wie andere an ihnen vorübergehen. Sitzen sie in einem fremden Park, einem Ort, den sie vorher niemals betreten haben, so werden sie sich Jahre oder sogar Jahrzehnte später an diesen Ausflug erinnern. Dieses erste Mal oder die Einzigartigkeit dieser Situation bleibt in den Erinnerungen haften.

(II)
Es gibt viele Situationen, an denen wir nicht teilhaben können. Sie finden an den Orten statt, zu denen wir keinen Zutritt haben. In einem Rückblick der ARD-Sendung ‚Die Sendung mit der Maus‘ wurde berichtet, wie die Sendung entstand. Sie begann mit dem Leitspruch ‚Wo der Vati hingeht‘. Seit den Anfangsjahren wurden die Arbeitsorte des Vaters bzw. der Eltern beschrieben. Es sind Orte, an denen Kinder nur selten Einblick erlangen. Diese Sichtweise gilt auch für Erwachsene. Ein Buchhalter lebt in seiner Welt der Konten und Bilanzen, eine Krankenschwester bleibt in den Gepflogenheiten des Krankenhausalltags haften und ein Bankangestellter kennt die rechtlichen Bedingungen für Kredite und Sparkonten. Nach der Arbeit gehen sie nach Hause, wo sie vom Ehepartner, den Kindern und dem Hund erwartet werden. In ihrer Freizeit gehen sie ihren Hobbys nach. Sie treffen sich mit Nachbarn und Freunden. Sie leben in ihrer gewohnten Umgebung und übersehen die Fülle an Ereignissen, die die Welt ihnen bietet. Mit den Jahren fehlt ihnen der Elan, über den Tellerrand hinauszublicken, neue Länder zu bereisen und andere Gesellschaften kennenzulernen. Sie verspüren keinen Drang, Neuigkeiten in der näheren Umgebung zu entdecken. Ihre Neugier ist erloschen. Sie fühlen sich wohl in ihrem gewohnten Freundeskreis. Es kommt nichts Neues mehr hinzu. Aus der Welt des Möglichen haben sie viele Dinge nicht erleben dürfen.
(III)
Die Zeitung berichtete über eine wissenschaftliche Studie. Die Ergebnisse werden mit Wahrscheinlichkeiten angegeben. Die Forscher sind stolz auf ihre neuen Erkenntnisse. Die heutige Zeit ist von Experimenten geprägt. Nur wer Daten vorweisen kann, wird in der Öffentlichkeit beachtet. Ein anderer Zweig des wissenschaftlichen Vorankommens gerät dabei in Vergessenheit: Der Rationalismus -- das einfache Überlegen. Sich Gedanken über einen Sachverhalt zu machen. Die Augen zu schließen und darüber nachzudenken, welche Schlussfolgerungen sich aus einer Konstellation herleiten lassen. In die andere Richtung wäre die Frage nach den Ursachen möglich.
(IV)
In den Medien wird viel und ausführlich berichtet. Man sollte annehmen, dass sie umfassend und neutral informieren. Nicht darüber nachzudenken, es einfach hinzunehmen, ist möglich. An die Thesen von Immanuel Kant anlehnend und hier verkürzt wiedergegeben, wäre 'Selber denken!' die bessere Alternative. Eine kritische Betrachtung des Gesagten, Geschriebenen und Gehörten ist wichtig. All die Informationen, die auf einen einprasseln, wurden von Menschen geschrieben. Sie alle haben eine Meinung, sie alle stehen unter dem Einfluss von Zwängen und viele von ihnen vertreten eine Ideologie (im weitesten Sinne). Auch wenn viele eigene Überlegungen in die Irre führen, so ist es ein Erfolg, wenn aus einer einzigen 'Denkarbeit' ein positiver Beitrag entsteht.