(I)
Wenn ich mein Portemonnaie öffne, finde ich dort wenige Münzen, dahinter aufgereiht, ein paar Banknoten und seitlich eingesteckt die Bank- und Kreditkarte. Für Kryptowährungen gibt es weder Scheine noch Münzen. In der Brieftasche wird man sie nicht finden. Es ist ein Zahlen- und Buchstabencode, der auf dem Computer oder dem Smartphone gespeichert wird.

Anfänglich waren es IT-Enthusiasten, die diese neuen Dinger erwarben. Der Kreis der Liebhaber vergrößerte sich. Mehrere Einheiten gab es für wenige Cent. Getrieben wurde dieser Hype von dem Glauben, Kryptos könnten die neue Währung werden. Vom Einkommen blieb am Monatsende ein kleiner Betrag über und von diesem wurden die ersten Krypto-Einheiten gekauft. Man wollte dabei sein, man wollte einer der Ersten sein und den Trend mitbestimmen.

Es fing alles harmlos und unscheinbar an. Kryptos wurden als neues Zahlungsmittel angepriesen. Sie sollten eine Konkurrenz zu den Standardwährungen werden. Die ersten modischen Cafés boten den Kunden an, mit Bitcoin zu bezahlen. Die Besitzer schafften kleine Terminals an, mit denen der Zahlungsvorgang schnell und einfach möglich wurde. Die Nachfrage war gering. Nur wenige Kaffeetrinker nahmen das Angebot an. Die Kryptozahlung in Cafés oder Geschäften blieb eine seltene Ausnahme. Für diese Unternehmer wurde es unrentabel. Das ständig wechselnde Personal konnte keine Routine mit der neuen Zahlungsmethode entwickeln. Als Zahlungsmittel war diese Währung nicht geeignet. Die Butter im Supermarkt wird weiterhin mit Euro bezahlt, ganz banal mit Bargeld oder mit der Bankkarte.

Die Geschichte machte einen Bogen. Kryptos wurden zum Spekulationsobjekt. Der Preis dieser virtuellen Einheiten stieg in den letzten Jahren von einem Allzeithoch zum Nächsten. Er stieg explosionsartig auf einen neuen Höchststand und fiel in der gleichen Geschwindigkeit wieder zurück. Es entstand ein Zickzack-Kurs, ein Auf und Ab. Jeder neue Hochpunkt übertraf den vorhergehenden. Enthusiasten gerieten ins Schwärmen, wenn sie von diesen ominösen Konstrukten erzählten. Angefacht von immer neuen Pressemeldungen war der Aufstieg nicht zu stoppen. Die Spekulanten hatten ihren Erfolg. Diejenigen, die in sehr frühem Stadium den Trend erkannten, wurden zum Multimillionär. In wenigen Jahren konnten sie traumhafte Zuwächse erzielen. Hatten sie vor Jahren Bitcoins für lapidare Centbeträge erworben, können sie sie jetzt für einen fünfstelligen Eurobetrag verkaufen – pro Stück. Die jährliche Rendite lag für die Jahre des letzten Jahrzehnts im zweistelligen Bereich und diese Entwicklung könnte sich in den kommenden Perioden fortsetzen.

Heute ist es möglich, einen Terminkontrakt auf den Bitcoin zu erwerben. Wer spekulieren möchte, muss kein eigenes Bitcoin-Konto anlegen. An der New Yorker Börse gibt es Futures, die man zu den anderen Wertpapieren in das eigene Depot legen kann.

Heute ist der Preis exorbitant hoch und jeder fragt sich, wohin die Reise geht. Wird dieser Hype weiter anhalten? Wird der Preis auch in zehn, zwanzig oder in fünfzig Jahren diese schwindelerregenden Höhen beibehalten oder sogar überbieten? Setzen sich diese Preissprünge so fort? Werden unsere Kinder und Enkelkinder auch mit Kryptos hantieren? Die Zukunft ist ungewiss und eine sichere Antwort wird es nicht geben. Ein Blick zurück in die Vergangenheit, ein Blick auf die Geld- und Wirtschaftskrisen der letzten fünf Jahrhunderte können Anhaltspunkte geben, wie die Entwicklung verlaufen könnte.

Beginnen wir ganz von vorn:

(II)
Im Garten haben wir einige Tulpenzwiebeln eingepflanzt. Wenn sie in den kommenden Monaten blühen, entsteht in Farbenmeer aus weißen, gelben und roten Blüten. Besondere Aufmerksamkeit schenkt man den zweifarbigen Blüten. Sie stechen heraus, bilden eine besondere Farbkomposition. Sie grenzen sich ab, von den unifarbenen Blüten und bilden einen besonderen Farbtupfer unter den blühenden Gewächsen.

Im örtlichen Gartencenter gab es die Tüte mit zwanzig Knollen für unter zehn Euro. Für besonderen Sorten verlangte der Gartenfachhandel zwei Euro Aufschlag. Trocken gelagert lagen die unterschiedlichen Gattungen im Regal. Auf jeder Verpackung prangte ein Foto, auf der die Blüte in seiner vollen Pracht dargestellt war. Jeder Geschmack fand hier sein Angebot. Der Kunden bekam eine Vorstellung, wie das Gartenbeet in der Blütezeit aussehen wird.

Jede Gartenparty wird zu einem feierlichen Event und das Tulpenbeet zu einem 'Hingucker'. Verwandte und Bekannte werden verzückt sein, von der gelungenen Komposition, von dem Nebeneinander dieser farbenreichen Tulpenkelche. Dicht aneinander gepflanzt, bilden sie eine Farbintensität, die alle anderen Pflanzen in den Schatten stellt. Wenn die Blüten ihre ganze Pracht entfalten, werden die Eltern auf ihre Kinder achten. Unachtsam könnte ein Ball im Tulpenbeet landen. Das darf nicht passieren. Hamster und Mäuse werden fern gehalten. Für sie sind die Blütenblätter eine leckere Mahlzeit.

(III)
Vor fünfhundert Jahren gelangten die ersten Tulpen nach Europa. In den Niederlanden zierten sie die Gartenbeete der wohlhabenden Häuser. Aus diesen Knollen wurden spannende Gewächse. Die Tulpenzüchtung wurde zu einem Hobby, zu einer Leidenschaft. Jeder wollte sie haben und jeder wollte die Tulpe mit dem schönsten Blütenkelch.

Es kamen neue Farben hinzu und jede neue Farbnuance wurde von den Liebhabern begeisternd aufgenommen. Viele waren bereit, für diese neue Schöpfung einen hohen Preis zu bezahlen. Eine solche Tulpe, eine seltene Sorte war die Pracht eines Gartens, war der Blickpunkt für alle Blumenliebhaber. Fachleute wurden eingeladen, dieses seltene Stück ausgiebig zu betrachten.

Es war ein Thema, dass die Menschen interessierte und so wurde es in den Zeitungen besprochen. Jede Meldung erhöhte die Popularität und der Besitzer dieser Tulpe wurde im Artikel lobend erwähnt. Es sprach sich herum. Für andere wohlhabende Zeitgenossen war die Verlockung groß, einen Blick auf diese neue Farbschöpfung zu erhaschen. In dieser Saison war es das Gesprächsthema und der Eigentümer dieser kostbaren Zwiebel hegte bereits den Gedanken, wie er seine Reputation in den kommenden Jahren aufrecht erhalten und weiter verbessern könnte. Es gab weitere Züchter in der Stadt und diese würden mit viel Akribie die nächste Generation dieses edlen Gewächses schaffen. Die Vormachtstellung wäre dahin – die anderen Züchter würden den Erfolg auf ihrer Seite haben. Alle Fachleute würden zu diesen neuen Züchter pilgern.

Jahr für Jahr entstanden neue Kreationen. Rote mit gelben Streifen, ockerfarbene, blaue Blüten oder andere mit Magenta-Farbschattierungen. Die Kombinationen gingen ins Unendliche. Sie waren exotisch, exklusiv und dekorativ. Niemand wusste, ob eine neue Kreuzung sich erfolgreich von der vorherigen Generation absetzen konnte. Es war ein Glücksspiel und dieses Glück war nur wenigen gegönnt. Sie hatten es geschafft, hatten eine Rarität erschaffen. Diese konnte man käuflich erwerben. Sobald es mehrere dieser kostbaren Zwiebeln gab, wurden sie auf dem Markt angeboten. All diejenigen, die eines der einzigartigen Tulpenzwiebeln besaßen, diejenigen, die von ihren Kostbarkeiten erzählten, wurde ein Angebot unterbreitet. Die Geldsumme musste stimmen. Die Verlockung, dieses edle Stück aus der Hand zu geben, wurde mit jedem neuen, mit jedem höheren Angebot größer. Nach dem fünften Angebot wurde die Seele schwach. Man stimmte dem Handel zu.

In den Anfangsjahren waren die Zwiebeln zu moderaten Preisen zu haben. Mit jeden Jahr stiegen die Preise und es wurde zu einer Beschäftigung für die wohlhabende Gesellschaft. Die Tulpe wurde zu einem Prestigeobjekt. Für die besser gestellten Arbeiter und Angestellte blieben nur die Sorten, die in größeren Mengen verfügbar waren. Die Preise der seltenen Sorten überstieg ihre finanziellen Ressourcen.

Schnell waren die ersten Spekulanten dabei, die eine Tulpe erwarben. Diese hatten nur ein Ziel: den schnellen Gewinn. Ihre zusätzliche Nachfrage trieb die Preise auf neue Höhen. Sie unterschrieben einen Vertrag, wenn die Knollen noch in der Erde steckten. Mit diesen Termingeschäften wurden nicht mehr die Tulpen selber, sondern nur noch die Rechte daran gehandelt. Die Reputation, die anfangs auf Kenntnis, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit beruhte und über Tauschbeziehungen erzielt wurde, wich einer stetig steigenden Raffgier.

Die Kaufleute und Händler, sie brachten jeden Monat mit ihren Geschäften ein Vermögen nach Hause. Und dieses musste ausgegeben werden. Die richtige Tulpe im Garten zeugte von der Erhabenheit, von der Stellung in der Gesellschaft. In jeder Familiengeneration wurde ein Kunstmaler bestellt. Die Ölgemälde hingen auf dem Flur und in den Wohngemächern. Der Hausherr und auch die Hausdame waren für das kommende Jahrhundert festgehalten. Alle dieser Ahnen hatten ihren Platz an den Wänden erhalten. Jeder dieser in Öl Gemalten hatten ein Stück zum Erfolg dieser Familiendynastie beigetragen. Sie alle hatten ein Imperium geschaffen und mit jeder Generation vergrößert. Das aktuelle Familienoberhaupt hatte den Ehrgeiz, alle seine Vorgänger zu übertrumpfen. Gelingen konnte dies, in dem man dem Kreis der erlauchten Zuschauer etwas besonderes bot. Man musste sie begeistern, sie in Verzückung versetzen. Und in dieser Runde, unter Händlern – man kannte sich untereinander – gab es viele Neider. Sie sollten vor Eifersucht erblassen, wenn man mit einer neuen Idee die Gesellschaft beglückte. Dies gelang vorzüglich mit einer Tulpe, einem neuen Geschöpf, vom dem es eine oder nur wenige gab. Für diesen einen Sommer hatte man die gesonderte Stellung erreicht.

Es war das golden Zeitalter der Niederlande. Die Importe aus den Kolonien konnten mit Gewinn in dem eigenen Land verkauft werden. In den großen Städten entstand eine Kapitalakkumulation. Die Niederlande wuchsen heran zu einer weltumspannenden Handelsnation. Der Handel hatte viele zu wohlhabenden Bürgern gemacht und sie wollten ihren Reichtum zeigen. Frauen tauschten die Brosche auf ihrem Kleid durch eine Tulpenblüte aus. Sie alle wollten hinaufsteigen in die Kaste der Aristokratie.

Ein wenig Fachwissen, ein paar gut platzierte Sätze in der richtigen Runde suggerierten den Eindruck, hier spricht ein Experte. Niemand fragte, ob diese seltene Tulpe selbst gezüchtet oder für viel Geld von angesehenen Züchtern erworben wurde. Sie stand im Garten und das Staunen war jedem Betrachter anzusehen.

In der Gesellschaft hatte sich eine Manie entwickelt. Jeder wollte der Erste sein, jeder wollte den anderen übertreffen. Es war die Sucht, die Gier einer ganzen Generation. Viele aus dieser wohlhabenden Schicht verspürten eine Befriedigung, wenn sie in dieser edlen Runde dabei sein konnten. Jeder Hausherr aus der oberen Gesellschaftsschicht hatte den Ehrgeiz, mitzumischen. Jeder träumte davon, diese Entwicklung mitzubestimmen. Der Reiz war verlockend, der Lorbeerkranz um so größer, wenn einem die Einzigartigkeit gelang, eine Tulpe zu erschaffen, die niemand hatte.

(IV)
Das Ende ist bekannt. Bei einer Auktion 1637 sackte der Preis. Niemand war zugegen, der den geforderten Preis zahlen wollte. Aus einem leichten Preisrückgang wurde ein herber Preisverfall, der in einer regelrechten Panik endete. Niemand hatte Anzeichen bemerkt, alle wurden von diesem Umschwung überrascht. Die Frage nach der Ursache für dieses Auf und Ab konnte nur mit einem Kopfschütteln erwidert werden. Der anfängliche Preisanstieg verlief langsam. Die Preise stiegen moderat und stetig. Der Preisrückgang war abrupt. Schlagartig ging es bergab.

Das System beruhte auf steigenden Preisen. Viele Händler hatten gekauft, in der Hoffnung, mit Gewinn zu verkaufen. Als sie merkten, wie diese Erwartungen nicht mehr eintreten würden, warfen sie ihre Bestände auf den Markt. Alle wollten nur noch raus aus dem Markt. Es war zu spät. Der große Traum vom schnellen Geld war erloschen. Viele, die in diesen Monaten mitmischten, erlitten herbe Verluste.

Die Tulpenkrise – die erste große Krise im Kapitalismus war eingeläutet. Mehrere Generationen hatten ihre Freude an diesem neuen Gewächs. Einige züchteten, andere pflanzten sie in ihren Gärten. Es entstand ein Zwischenhandel, der Angebot und Nachfrage zusammenbrachte. Die Journalisten konnten ausführlich darüber berichten. Sie alle waren eingebunden in dieses Gefüge. Der Niedergang zerbrach dieses Geflecht. Was bleibt, sind ein paar Tulpenzwiebeln, die für wenig Geld im Handel erhältlich sind.

(V)
Der Anstieg und der Verfall des Preises ist nicht nur auf Tulpen begrenzt. Über längere Zeiträume betrachtet, finden sich diese Veränderungen in allen Produktgruppen. Der Wert eines Gutes oder einer Dienstleistung beruht auf den Einschätzungen beider Vertragsseiten. Der Anbieter wird eine Ware nur erstellen, wenn er sie über den Herstellungskosten veräußern kann. Diese Kosten bilden (mittelfristig) immer die Preisuntergrenze. Der aktuell gehandelte Preis beruht auf der Seltenheit, also der von den Anbietern feilgebotenen Menge und der Bereitschaft des Nachfragenden, eine bestimmte Gegenleistung dafür herzugeben. Er liegt oberhalb der Kosten und beinhaltet für den Anbieter eine Gewinnspanne. Wird dieser Profit größer, werden neue Anbieter dies erkennen und ein zusätzliches Angebot bereitstellen, sofern sie dies können.
(VI)
Früher war es die Tulpenzwiebel, die dem Eigentümer zu Prestige verhalf – heute sind es ein Auto oder das Vorstadthaus. Der Nachfrager ist bereit, einen bestimmten Preis dafür zu bezahlen. Wer ein Hobby frönt, benötigt hierfür technisches Gerät. Für ihre Freizeitbeschäftigung wählen die Gutbetuchten nur die beste Qualität. Obwohl sie nur wenige Stunden im Monat auf dem Tennisplatz stehen, spielen sie ausschließlich mit dem Schläger der besten Güteklasse. Gleiches gilt für die Ausrüstung zum Skifahren, für eine Rute zum Angeln oder für die Bockflinte zum Erlegen von Wildtieren. Für Einkommensschwächere gibt es Angebote in einer mittleren Preisstufe. Solange sie alle diesem Hobby nachgehen, bleibt das Marktgleichgewicht auf dem gleichen Niveau. Entwickelt sich ein neuer Trend, verliert das Hobby seine Attraktivität. Die Nachfrage geht zurück. Anbieter dieser Ausrüstung werden ihre Ware nicht mehr absetzen und einige Anbieter müssen über kurz oder lang vom Markt verschwinden. Gleichzeitig sinkt der Preis.

Gleiches gilt für Aktien. Sprudeln die Gewinne eines Unternehmens, sind dessen Aktien heiß begehrt. Mit qualitativ guten Produkten und einem festen Kundenstamm kann der Gewinn stetig steigen. Kursübertreibungen lassen sich in jedem Jahrzehnt beobachten. An der Börse wird die Zukunft gehandelt. Die Aktien von neu gegründeten Unternehmen ohne Umsatz werden zu horrenden Preisen gehandelt. Dies ist gerechtfertigt, sofern sich diese Gewinnerwartungen erfüllen. Können mit den neuen Produkten in den Folgejahren Profite erzielt werden, so ist dies in dem Preis bereits enthalten. Versprechen die Aussichten eines Unternehmens eine blühende Zukunft, werden viele Aktienkäufer diesen Preis akzeptieren. Es sind Erwartungen und ob diese auch eintreten, steht auf einem anderen Blatt. Gravierende negative Ereignisse lassen den Kurs in wenigen Augenblicken in die Tiefe rutschen. Jeder möchte seine Bestände loswerden, um weitere Verluste zu vermeiden. Der Handel wird ausgesetzt, in der Hoffnung auf eine Stabilisierung des Kurses. Der Höhenflug dieser Firma ist beendet. Stellt sich heraus, dass die Produkte am Markt keinen Absatz finden, ist der freie Fall der Aktien unabwendbar. Mit etwas Glück wird das Unternehmen von einem anderen übernommen.

Dieser Niedergang kann auch in einer ganze Branche beobachtet werden. Bis in die siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts trug jeder eine Armbanduhr. In katholischen Gegenden erhielt jeder Jugendliche zur Erstkommunion von seinem Patenonkel eine Armbanduhr. Für viele war es ein kleines mechanisches Wunderwerk am Handgelenk. Die ersten Quarzuhren veränderten diesen Wirtschaftssektor. Sie liefen genauer und hatten mehr Funktionen. Alle wollten eine Quarzuhr und die mechanischen Uhren wurden zum Ladenhüter. Der Preis der mechanischen Armbanduhren fiel unter die Herstellungskosten. Viele Unternehmen wurden insolvent. Eine ganze Branche brach zusammen. Nach einen Jahrzehnt des stillen Niedergangs entwickelte sich in der Schweiz ein Hochpreissegment. Die mechanische Uhr wurde für wenige gut betuchte Menschen zu einem Prestigeobjekt. Ähnlich erging es der Malerei. Zur Zeit der Tulpenkrise war das Ölgemälde die einzige Möglichkeit, eine Person abzubilden. Sie wurde von der analogen Fotografie abgelöst, behielt aber ein Schattendasein. Mit der digitalen Technik brach auch die Produktion von Film- und Fotomaterial in sich zusammen. Für ein paar Enthusiasten der analogen Fotografie bleibt ein Nischenmarkt mit wenig Material für Schwarz-Weiß oder Farbfotos.

(VII)
Zurück zu den Kryptos: Wird die Nachfrage zusammenbrechen? Bis heute ist sie ungebrochen. Sobald der Kurs steigt, springen viele auf, um an dem Gewinn zu partizipieren. Damit können sie einen weiteren Höhepunkt generieren. Aber diejenigen, die heute in Handel beeinflussen, werden älter. Sie werden das Interesse an diesen Spekulationen verlieren. Ob sich unsere Kinder mit diesen virtuellen Währung anfreunden, ist ungewiss. Die kommende Generation wird mit diesem neuen 'Geld' aufwachsen. Die wohlhabenden Väter und Mütter von heute werden ihren Sprösslingen von der Währung erzählen, werden von den Erfolgen berichten, die sie damit erzielt haben. Die Kinder werden ihre eigenen Trends setzen. In der Gesellschaft werden neue Technologien aufkommen, in der es sich lohnt zu investieren. Jede neue Generation wird die Wichtigkeit von Kryptos neu einschätzen.
(VIII)
Geld hat zwei Funktionen. Es wird für den Zahlungsverkehr benötigt und dient zur Wertaufbewahrung. Eine stark schwankende Währung wird die erste Funktion nicht erfüllen. Niemand wird einen Krypto annehmen, wenn eine Woche später der Wert um mehrere Prozentpunkte sackt. Für die Wertaufbewahrung muss die Akzeptanz in der Bevölkerung gegeben sein. Bleiben diese Einheiten ein Spielfeld von Enthusiasten, können sich diese wenigen auch aus dem Markt entfernen, wenn sie die Lust an diesem Spiel verlieren. Die Nachfrage würde rapide abnehmen. Kryptos sind in der Gesellschaft angekommen, wenn sie den Markt durchdrungen haben, wenn diese Einheiten von der Mehrheit der Bürger akzeptiert werden.

Oftmals wird diese neue Digitalwährung mit dem Gold verglichen. Über Jahrhunderte hat sich der Wert des Goldes stabil gehalten. Eine Ausnahme gab es, als Spanien Goldbestände vom amerikanischen Kontinent importierte. In Europa vermehrte sich die umlaufende Goldmenge und führte zu einem Werteverfall. Über Jahrhunderte war Gold zusammen mit dem Silber das Zahlungsmittel.

Das Angebot dieser Metalle ist und bleibt begrenzt. Sinkt der Preis, müssen die ersten Minengesellschaften schließen. Alle Notenbanken auf der Welt halten große Goldreserven. Geben sie Banknoten heraus, werden diese teilweise mit Gold hinterlegt. Diese großen Akteure vertrauen langfristig auf den Werterhalt des Goldes. Bräche dieser Markt zusammen, wäre auch die eigene Währung in Gefahr und im Krisenfall würden sie Maßnahmen ergreifen, um dies zu verhindern.

Der Bitcoin wird zu einer Spielerei von Neureichen, von jungen Menschen, die in digitalen Berufen eine Menge Geld erwirtschafteten und Kryptowährungen kauften. Es ist der Reiz des Spiels, morgen den Preis dieses 'Nichts' steigen zu sehen und in ein paar Monaten diesen Zahlencode für noch mehr Geld an andere verkaufen zu können. Wer heute einen Krypto kauft, sollte sich des Risikos bewusst sein. Ob der Preis im kommenden Jahr steigt, wird zu einem Roulettespiel. Die Welt ist nicht deterministisch. Die Zukunft ist und bleibt unberechenbar.

Dieser Kryptomarkt ist ein Segment ohne gesetzliche Regeln. Von den Initiatoren ist dieser Zustand gewollt. Sie wollen außerhalb der staatlichen Gesetzgebung agieren. Niemand interessiert es, wenn in einem Kryptodepot aufgrund technischer Probleme diese gelagerten Einheiten nicht mehr abrufbar sind. Für den Eigentümer sind diese Einheiten verloren. Das Kryptovermögen ist weg.

(IX)
Geld hat keinen Nutzen. Ein Brot kann man essen, von einer Uhr kann man die Zeit ablesen. Ein Haus, ein Tisch und ein Stuhl, sie alle erfüllen ihren Zweck. Geld ist ein wertloses Mittel, welches dazu dient in ein anderes Gut getauscht zu werden. Es ist und bleibt eine Frage der Akzeptanz und des Vertrauens, ob man eine Währung akzeptiert.